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Gleich zu Beginn der Performance streift sich die junge Frau
(Ranin Boulos) das lange, bestickte Palästinensergewand über den Kopf
und steht als globalisiertes Allerweltsgirl auf der Bühne - als ob sich
die palästinensischen Traditionen so leicht ablegen liessen. Dann
schwelgt sie in Erinnerungen an den Kindergarten, wo reihum die
jüdischen, christlichen und muslimischen Feste gefeiert werden.
Oase des Friedens
Der jüdische Israeli (Shai Schwartz) erzählt mit viel Witz
Beduinengeschichten und von Alltagskonflikten mit seinen arabischen
Freunden in der israelischen Dorfkooperative Neve Shalom/Wahat
al-Salam. In dieser «Oase des Friedens» auf einem Hügel zwischen Tel
Aviv, Jerusalem und Ramallah praktizieren rund 250 arabische und
jüdische Israeli seit 1972 ein friedliches Zusammenleben und teilen
Land, Macht, Verantwortung und Schule. Auch die Performance, die am
Montag im Schlachthaus Theater zu sehen war, ist ein Produkt dieses
Experimentierdorfes.
Vor dem Hintergrund des aktuellen tödlichen Konflikts in der Region
wirkte der Geschichtenabend allerdings geradezu idyllisch - es fehlte
nur noch das prasselnde Kaminfeuer -, wenn nicht gar etwas blauäugig.
Mit der brutalen Realität im palästinensisch-israelischen Kampf hat das
Projekt schon deshalb kaum etwas zu tun, weil es ausschliesslich
israelische Staatsbürger einbezieht.
Scheinheilige Klänge
Der reale Konflikt dreht sich allerdings um Land, Wasser und
Selbstbestimmung - in einem palästinensischen Staat. Von diesem Ziel
ist die palästinensische Bevölkerung in den besetzten Gebieten heute so
weit entfernt wie schon lange nicht mehr. So mutet es etwas
scheinheilig an, wenn auf der Bühne mit Lautenklängen und Volksliedern
versucht wird, eine romantische Atmosphäre von arabisch-jüdischer
Harmonie in einem imaginären Land zu schaffen. Diese Absicht hat der
Musiker George Saman mit seiner verstimmten Laute - allerdings
unfreiwillig - unterlaufen.
BZ-Kultur, 04. Februar 2004
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