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In einem imaginären Land
 «Weaving - Weben»: Ein Storytelling-Abend versucht, jüdisch-arabisches Zusammenleben darzustellen.

 Susanne Schanda



 Gleich zu Beginn der Performance streift sich die junge Frau (Ranin Boulos) das lange, bestickte Palästinensergewand über den Kopf und steht als globalisiertes Allerweltsgirl auf der Bühne - als ob sich die palästinensischen Traditionen so leicht ablegen liessen. Dann schwelgt sie in Erinnerungen an den Kindergarten, wo reihum die jüdischen, christlichen und muslimischen Feste gefeiert werden.

 Oase des Friedens
 Der jüdische Israeli (Shai Schwartz) erzählt mit viel Witz Beduinengeschichten und von Alltagskonflikten mit seinen arabischen Freunden in der israelischen Dorfkooperative Neve Shalom/Wahat al-Salam. In dieser «Oase des Friedens» auf einem Hügel zwischen Tel Aviv, Jerusalem und Ramallah praktizieren rund 250 arabische und jüdische Israeli seit 1972 ein friedliches Zusammenleben und teilen Land, Macht, Verantwortung und Schule. Auch die Performance, die am Montag im Schlachthaus Theater zu sehen war, ist ein Produkt dieses Experimentierdorfes.
Vor dem Hintergrund des aktuellen tödlichen Konflikts in der Region wirkte der Geschichtenabend allerdings geradezu idyllisch - es fehlte nur noch das prasselnde Kaminfeuer -, wenn nicht gar etwas blauäugig. Mit der brutalen Realität im palästinensisch-israelischen Kampf hat das Projekt schon deshalb kaum etwas zu tun, weil es ausschliesslich israelische Staatsbürger einbezieht.

 Scheinheilige Klänge
 Der reale Konflikt dreht sich allerdings um Land, Wasser und Selbstbestimmung - in einem palästinensischen Staat. Von diesem Ziel ist die palästinensische Bevölkerung in den besetzten Gebieten heute so weit entfernt wie schon lange nicht mehr. So mutet es etwas scheinheilig an, wenn auf der Bühne mit Lautenklängen und Volksliedern versucht wird, eine romantische Atmosphäre von arabisch-jüdischer Harmonie in einem imaginären Land zu schaffen. Diese Absicht hat der Musiker George Saman mit seiner verstimmten Laute - allerdings unfreiwillig - unterlaufen. 


BZ-Kultur, 04. Februar 2004





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