Neve Schalom,
Oase des Friedens, heißt ein Dorf zwischen Jerusalem und Tel
Aviv, in dem heute 50 jüdische und palästinensische Familien
friedlich zusammenleben. 1977 wurde das erste Haus in Neve
Schalom gebaut. Evi Guggenheim und Eyas Shbeta haben sich hier
vor 20 Jahren kennen und lieben gelernt. Sie leben im Kleinen
das, was im Großen derzeit unmöglich scheint.
Zwei Religionen, vier
Sprachen
Eyas und Evi
Evi
Guggenheim ist Jüdin und wurde in der Schweiz geboren. Ihr
Mann ist Moslem. Er wuchs in den palästinensischen
Autonomiegebieten auf. Das Ehepaar hat drei Töchter. Die
Mädchen haben jeweils zwei Religionen, da beim Judentum der
Glaube durch Blutsbande auf der mütterlichen Seite übertragen
wird, beim Islam die Kinder aber automatisch die Religion des
Vaters annehmen. Für die nicht strenggläubigen Eltern ist das
kein Problem. Die verschiedenen Feiertage zum Beispiel nehmen
sie einfach alle mit und fühlen sich dadurch bereichert. Und
die Kinder profitieren davon: Sie leben mit zwei Kulturen und
sprechen vier Sprachen: Hochdeutsch, Schweizerdeutsch,
Hebräisch und Arabisch. Vom gegenwärtigen Krieg in Israel sind
auch Evi und Eyas betroffen. Seine Familie lebt im
palästinensischen Autonomiegebiet. So oft wie möglich
telefonieren sie mit den Verwandten, doch die Angst ist groß.
Zu seiner Schwester haben sie zur Zeit keinen Kontakt, wissen
nicht, wie es ihr
geht.
Gegenseitiges
Verständnis von klein auf
Blick auf das
Dorf
Evi und
Eyas sind beide Lehrer an der Grundschule von Neve Schalom.
Jüdische und palästinensische Kinder werden hier gemeinsam
unterrichtet, da müssen auch die Lehrer differenzierte Inhalte
vermitteln, immer zwei Geschichten erzählen. Außerdem gibt es
einen jüdisch-moslemischen Kindergarten und eine so genannte
Friedensschule, in der Seminare über den
israelisch-palästinensischen Konflikt angeboten werden. Die
Kinder wachsen hier von klein auf mit der anderen Seite auf
und verstehen sich gegenseitig. Das klingt in diesen Zeiten
tatsächlich unglaublich. Um das einmalige Projekt weltweit
bekannt zu machen, lebt die Familie Guggenheim-Shbeta zur Zeit
in Zürich. Für zwei Jahre haben sie sich freistellen lassen,
um Kontakte zu knüpfen und um moralische und finanzielle
Unterstützung zu werben.
In Neve Schalom versuchen die Bewohner trotz der
gegenwärtig angespannten Lage weiterhin in Frieden zusammen zu
leben und zu arbeiten. Angst vor Anschlägen haben sie nicht,
doch sie spüren die Auswirkungen des Konflikts. Aber die
Beziehungen im Dorf seien davon nicht betroffen, meint der
Direktor Daoud Boulos. Im Gegenteil: "Wir halten sogar noch
enger zusammen. Es ist ein weiterer Test, den wir bestehen
müssen, um zu zeigen, dass unser Weg richtig ist und die
Menschen vielleicht unserem Beispiel folgen werden."
Ein Beitrag von Saskia Schüring, bearbeitet für
ZDFonline.
Neve
Schalom
Noch mehr
Informationen über das einzigartige Projekt der
Dorfkooperative. Mit vielen Informationen über die praktische
Arbeit, Geschichte und Hintergründe.
http://www.nswas.com/deutsch/index.htm
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